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Ist es erstrebenswert, satt zu sein?

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In der Lebensmitte angekommen, stellt sich mir plötzlich die Frage:
Ist es erstrebenswert, satt zu sein?

Auf was man ja alles immer so hingearbeitet hat, um das Gefühl zu haben, satt zu sein / angekommen zu sein / genug zu haben:

  • Finanzielle Sicherheit
  • Lecker essen (und zu oft viel mehr als nötig ist)
  • Souveränität im Job
  • evtl. ein bestimmter beruflicher Status
  • Bescheid wissen, wie der Hase im Leben läuft
  • Ein Heim mit allen Dingen darin, die man braucht (und auch vielen, die man gar nicht braucht)
  • Jedes Jahr einen (oder mehrere) nette Urlaube
  • evtl. ein paar wohlgeratene Kinder
  • Spirituelle Gewissheiten, die man sich mühsam errungen hat

Obwohl ich ja immer glaubte, offen und achtsam genug zu sein, um in meiner Entwicklung nicht zu stagnieren, stelle ich in der Lebensmitte doch etwas fest:

All die netten Dinge – Gegenstände, Geld, Status, Wissen, Erreichtes – haben beim Erreichen Freude gemacht, aber dann beginnen sie einen schleichend einzulullen und bequem zu machen. Man richtet es sich furchtbar gemütlich ein und lebt zufrieden vor sich hin. – Wenn da nicht so eine leise nagende Unzufriedenheit wäre, die mit all den oben aufgelisteten Dingen nicht zufrieden zu stellen ist…

Wann bist du satt?

Bezogen auf die Ernährung lese ich immer wieder, wie wichtig es ist, mit Essen aufzuhören, wenn man satt ist. – Aber wann ist man satt?

Dazu heißt es, dass der Körper nach ca. 20 Minuten Essen ein sanftes Signal sendet, dass der Hunger gestillt ist. Wenn ich allerdings zu schnell zu viel gefuttert habe, werde ich nach den 20 Minuten schon pappsatt sein, müde und voll.
Esse ich jedoch langsam und mit Genuss, bemerke ich das Satt-Signal, höre auf und fühle mich dann energiegeladen und gut.
Für den Körper, seinen Stoffwechsel und seine Gesundheit, sei es außerdem förderlich, ihn nicht ständig satt zu halten. Längere Phasen des Nichtessens, bis zu 16 Stunden am Tag, seien als „Intervallfasten“ als dauerhafte Verhaltensweise empfehlenswert.

Tragisch, wenn ich das missachte und futtere, was das Zeug hält, bis der Ranzen spannt, weil ich glaube, dass ich dann erst satt bin. Und dann immer noch spüre, dass ich nicht wirklich befriedigt bin.

Wann ist es genug?

Ich glaube, das mit dem Essen lässt sich auch auf andere Fragen des Sattseins im Leben übertragen:

  • Wieviel Geld brauchst du wirklich?
  • Muss es die Karriere im Job sein und tut sie dir wirklich gut?
  • Wann ist deine Wohnung voll genug mit Dingen?
  • Wieviel Urlaub muss es ein?
  • Wieviele Bücher und Seminare müssen es denn noch sein, bis du denkst, du weißt genug und bist gut genug?

Wie mit dem Essen kann es schnell zuviel sein, wenn du es nicht achtsam dosierst und genießt. Dann belastet es dich mehr als es bringt und du wirst dessen überdrüssig.
Und doch ist da immer noch ein Gefühl, als sei es nicht genug und du konsumierst weiter…

Die Satten ändern nichts

Und ist es nicht so, dass die satte und zufriedene Wohlstandsgesellschaft nichts ändert und auch nichts ändern will? Warum auch!? Vielmehr wird sie bestrebt sein, ihren Status zu halten und alles zu bekämpfen, was den Wohlstand schmälern könnte. – „Klima- und Artenschutz, ja dafür bin ich natürlich! Aber es kann ja nicht sein, dass es mich Geld und Bequemlichkeit kostet!“
Und so wird fleißig weiter konsumiert.

Stehen bleiben oder sich weiter entwickeln?

Da stehe ich also in der Lebensmitte, stelle mir viele Fragen und merke, dass all die netten Dinge nicht wirklich satt machen. – Wusste ich ja eigentlich schon immer, aber Wissen und Tun sind ja bekanntlich zwei paar Stiefel, und der Alltragstrott kann mächtig sein. 😉

Ich glaube, dies ist ein entscheidender Punkt im Leben:
Richte ich es mir gemütlich ein oder bleibe ich hungrig und neugierig auf das Leben?
Glaube ich, dass ab einem gewissen Alter das Leben in ruhigeren Bahnen verläuft und schließlich irgendwann ausläuft? Oder glaube ich daran, dass das Leben immer noch viele Abenteuer, viel Freude und viel Interessantes zu entdecken für mich bereit hält?

Will ich stagnieren und meine Meinungen und Neurosen pflegen? Oder will ich für möglich halten, meine Ansichten immer wieder ändern zu können und flexibel für meine innere Entwicklung zu bleiben?

Will ich mein Herz weiterhin neugierig dem Leben offen halten, die Impulse wahrnehmen und Gelegenheiten beim Schopf packen? Oder ziehe ich mich in Gemütlichkeit und Vernünftigkeit zurück? – Das beantwortet sich ja eigentlich schon von selbst! 🙂

Ein Lob auf den Hunger nach diesem wunderbaren, abenteuerlichen Leben – bis zum letzten Atemzug!

*

Autor: Helga Fischer

Hallo, ich bin Helga. Ich singe, inspiriere und berühre dich, dein Herz der Schönheit deines Lebens zu öffnen - einfach erfüllter zu leben!

2 Kommentare

  1. Liebe Helga!
    Wieder ein wundervoller Beitrag!!! DANKE!!
    Vielleicht mal noch ein paar klitzekleine Anmerkungen von mir. :-))
    Ich bin in der DDR groß geworden. Wir hatten immer satt zu essen. Sogar zu viel konnte man essen, immer. Nicht immer allerdings, das was man gerade wollte…..
    Also konnte man auch sehr viel erreichen.
    Nicht immer auf den Gebieten, auf denen man etwas erreichen wollte.
    usw….
    Man kann nicht unbedingt sagen, dass satte Menschen sich „zurücklehnen“ in ihre Bequemlichkeit.
    Gibt es nicht auch die Redewendung: „Jetzt habe ich es aber satt!!“ ?
    Auch wenn man von bestimmten Dingen (oder Zuständen in seinem Leben) genug hat, bewegt man sich doch vorwärts, aus seiner netten bequemen Sattheit heraus. Oder?
    Es stimmt schon, dass man mit zunehmendem Alter etwas bequemer wird, ruhiger… GELASSENER.
    Man muss nicht mehr jeder neuen Mode, jedem neuen Guru hinterherrennen. Man darf im Sessel sitzenbleiben und gelassen zusehen, wie die anderen sich abhetzen. Die jungen Leute dem jeweiligen Trend, der Karriere usw. hinterherlaufen. Das hat man dann ja alles schon erledigt.
    Was kommt dann noch???
    So mit 60-70 und älter?
    Für die meisten dieses Alters ist es ja schon eine Herausforderung, mal still zu halten. Mal in sich zu gehen. UND…… auch mal an sich zu denken. Alles erdenklich Gute für sich und seinen Körper zu tun.
    Ich meine nicht die schnellen Pillen für und gegen alles.
    Sondern so richtig…. Bewegung an der frischen Luft, auch wenn der Rücken weh tut. Mal einen Schwatz mit der Nachbarin, auch wenn die etwas anders denkt als man selber.
    Sich freuen, dass man sich überhaupt noch freuen kann. An was auch immer.
    Solche Dinge fallen oft schwer genug und gerade dann, wenn man sich „vom Leben ausruhen“ will.
    Da wäre ein Urlaub, den man sich gönnt, bei dem man wirklich mal was „Fremdes“ sieht, schon eine Bewegung nach vorn. Aus der Bequemlichkeit heraus. Ich kenne sehr viele Menschen, die dazu wirklich das Geld und auch die Zeit hätten. ABER sie sparen sich das Geld auf (wahrscheinlich für die lachenden Erben) sitzen (eigentlich satt und zufrieden, relativ gesund) zu Hause und jammern, dass es hier und da zwickt, dass die Kinder oder Enkel nicht mal vorbeikommen, dass das Brot zu teuer ist und dass die Nachbarin schon wieder „böse“ geguckt hat.
    Das musste ich jetzt mal einfach so ganz kurz :-))) aufschreiben. Sind die Gedanken, die mir so durch den Kopf gehen, nachdem ich Deine Gedanken zu „satt“ gelesen habe. :-)))
    Viele Grüße und Dir noch viele schöne anregende Gedanken.
    Regina.

    • Liebe Regina,
      vielen Dank für Deine Gedanken, die ich mit Freude gelesen habe.
      Das macht mir immer Spaß, wenn ich auf etwas herausfordernde, weil einseitig formulierte, Artikel reflektierte Antworten erhalte. Dann merke ich, dass ich eigene Gedanken beim Leser angestoßen habe. Schön. 🙂
      Herzliche Grüße
      Helga

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